62 Prozent der Erben blockieren ihre Mitstreiter aus Machtbedürfnis oder manipulativen Motiven heraus, möglicherweise in der Hoffnung, die anderen Erben auf diese Weise zu zermürben oder eine vorteilhaftere Position zu erzwingen. Davon sollten sich die Miterben nicht beeinflussen lassen. Ein machtorientierter Miterbe blockiert nicht aus Angst oder Unwissen, sondern weil die Blockade ihm Einfluss, Kontrolle oder Verhandlungsvorteile verschafft. Er denkt oft nüchtern und rational. Der Macht-Blockierer sucht dabei weder Geld noch eine Lösung. Er strebt danach, seine Position zu stärken und die Kontrolle zu erlangen.
Das Motto des machtbewussten Erben lautet: Kontrolle geht vor Lösung. Er entscheidet selektiv, wenn er reagiert. Er setzt Themen, statt auf Themen einzugehen, ignoriert Vorschläge, die nicht von ihm kommen und pocht auf Rechte, selten auf Pflichten. Der machtbewusste Erbe spricht von Fairness, meint aber Einfluss und nutzt Zeit als Werkzeug. Er folgt der inneren Logik
„Solange ich nicht zustimme, läuft nichts. Ich bestimme das Spiel.“ Blockade ist hier Machtinstrument, kein Nebeneffekt.
Kontrolle erlangen, Position stärken („Ohne mich läuft nichts!“)
Der machtbewusste Erbe hat ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis und möchte deshalb die Richtung vorgeben. Wer bestimmt den Verkauf? Wer wählt den Gutachter aus? Wer spricht außerhalb der Erbengemeinschaft mit Dritten? Eine Zustimmung gibt dieser Erbe nur, wenn er die Kontrolle behält.
Sein Status innerhalb der Familie ist oft historisch gewachsen. Machbewusste Erben kommen vor allem häufig bei den ältesten Geschwistern vor, sie waren die Kümmerer zu Lebzeiten der Eltern und fühlen sich deshalb als die berufenen natürlichen Entscheider. Der Nachlass wird somit zur Bühne alter Rollen.
Dieser Erbtyp versucht zudem, die Verhandlungsmacht zu maximieren, weshalb er die Blockade als Druckmittel nutzt, um z.B. Anteile des anderen Erben günstig zu kaufen, Zugeständnisse zu erzwingen und Konditionen zu diktieren. Er glaubt, dass die Zeit für ihn arbeitet. Sein Bedürfnis nach Überlegenheit ist so stark, dass es ihm in erster Linie darum geht, Recht zu behalten, statt eine optimale Lösung für die Erbengemeinschaft zu finden. Das zeigt der machtbewusste Erbe nach außen, indem er andere korrigiert, sein Wissen zur Schau stellt und argumentative Dominanz sucht. Nachgeben fühlt sich für ihn wie ein Verlust an. Er setzt Misstrauen als Machtstrategie ein, wobei er nicht wirklich misstrauisch ist, sondern hierin nur einen weiteren Hebel sieht, Prozesse in seiner Hand zu behalten „Das muss geprüft werden.“, „So einfach ist das nicht.“ Oder auch „Ich sehe das anders.“ sind die typischen Einlassungen.
Endlosverhandlungen als Machtdemonstration
In der Praxis zeigt sich Macht-Blockade u.a. in der Informationskontrolle. Der machtbesessene Erbe hält Unterlagen bewusst zurück oder gibt sie nur selektiv weiter. Mit dem Satz „Ich prüfe das erst.“ sollen andere Erben und externe Dienstleister von ihm abhängig bleiben. Unbeliebt macht sich dieser Erbentyp auch durch endloses Neuverhandeln von Positionen, über die sich die Erben schon längst geeinigt hatten, die der machtbewusste Erbe aber plötzlich wieder neu aufmacht. Mit dem Satz „Unter den neuen Umständen sehe ich das anders.“ verfolgt er nur das perfide Ziel, die Spielregeln zu diktieren.
Dazu ist ihm fast jedes Mittel recht – auch die Verzögerungstaktik. Dann bekommt man von ihm keine Rückmeldungen, Termine werden verschoben und kurz vor dem Abschluss werden neue Bedingungen gestellt. Damit will er seinen vermeintlichen Einfluss demonstrieren. Bei machtbesessenen Erben muss man auch mit Pseudo-Kooperationen rechnen. Dann heißt es zwar „Ich bin offen für Lösungen.“ Tatsächlich aber gibt es keine konkrete Zustimmung, keine eigenen Vorschläge, sondern nur Vorbehalte. Die Kooperationssignale bleiben ohne Substanz.
Auch Alleingänge sind typisch für den machtbewussten Erben. Er kontaktiert Makler, Anwälte oder Käufer alleine und signalisiert damit: „Ich bin der Entscheider.“