Teilungsversteigerung oder Erbanteil verkaufen?

Einleitung

Ein spezialisierter Rechtsanwalt zeigt im Interview, worauf es ankommt

In einem Exklusiv-Interview mit ErbTeilung (ET) zum Thema Erbengemeinschaft an einer Immobilie hilft der auf Teilungsversteigerung spezialisierte Rechtsanwalt Bernd Kiderlen (BK) zu entscheiden, ob sich eine Teilungsversteigerung lohnt.

Interview

ET: Vernunftgesteuerte Zweckgemeinschaft oder unberechenbare Schicksalsgemeinschaft – welche Beschreibung trifft auf die Erbengemeinschaft an einer Immobilie eher zu?

BK: In den meisten Fällen handelt es sich meines Erachtens um eine unberechenbare Schicksalsgemeinschaft, da jeder der Miterben eine andere Vorstellung davon hat, wie zukünftig mit dem Erbe umzugehen ist. Während beispielsweise der eine Erbe die im Nachlass befindliche Immobilie „versilbern“, also zu Geld machen will, möchte ein anderer die Immobilie „in der Familie“ halten. Zudem sind in der Regel Emotionen im Spiel, die Berechenbarkeit hier zu einem Fremdwort werden lassen –auch die Vernunft bleibt dann oft außen vor.

ET: Welche Ziele verfolgen Ihre Mandanten, wenn sie zu Ihnen kommen?

BK: Meist kann zunächst zwischen zwei grundlegend verschiedenen Interessenlagen der Mandanten unterschieden werden: Während der eine Mandant versucht, eine durch einen Miterben aufgezwungene/beantragte Teilungsversteigerung zu verhindern oder diese zumindest zu verzögern, will ein anderer Mandant die Teilungsversteigerung selbst initiieren, um so zum Ziel – der Aufhebung der Gemeinschaft an der Immobilie und dem erhofften Geldfluss – zu gelangen. Selten ändern sich diese Zielstellungen - meist sind die Gräben zu tief und unüberbrückbar.

ET: Vielen fällt es schwer, aus einer Gemeinschaft auszusteigen. Stehen hier finanzielle oder psychische Hürden im Weg oder liegt es oft auch an der Unwissenheit?

BK: Ich denke, es ist eine Mischung aus allen drei Dingen: der Miterbe weiß nicht, was auf ihn zukommt, welche Chancen und Risiken es gibt – auch und gerade in finanzieller Hinsicht. Das alles führt dazu, dass er die Angelegenheit lieber erst einmal liegen lässt.

ET: Was versteht man unter Ihrem Spezialgebiet der Teilungsversteigerung? Muss es dabei zwingend um Immobilien bzw. Grundstücke gehen?

BK: In aller Kürze: Wenn sich die Miteigentümer einer Immobilie entweder im Scheidungsfall oder in einem Erbfall nicht einigen können, hat in der Regel jeder der Miteigentümer/Miterben die Möglichkeit, einen Antrag auf Teilungsversteigerung zu stellen. Dann wird die Immobilie durch ein staatliches Gericht öffentlich versteigert: Jeder kann mitbieten und neuer (Allein-) Eigentümer werden. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich um Immobilien bzw. Grundstücke, Wohnungseigentum, es kann sich aber auch um Erbbaurechte oder sogar Schiffe, Schiffsbauwerke oder Luftfahrzeuge handeln.

ET: Die Teilungsversteigerung gilt gemeinhin als letztes, aber sicheres Mittel, um eine Erbengemeinschaft zu beenden. Sehen Sie das auch so oder gibt es Risiken?

BK: Die Einleitung einer Teilungsversteigerung führt bei vollständiger Durchführung zwangsläufig zur Aufhebung bzw. Beendigung der (Erben-)Gemeinschaft an der betreffenden Immobilie. Vorsicht: Die Erbengemeinschaft an sich ist damit jedoch noch nicht aufgelöst! Sie setzt sich an dem durch die Versteigerung der Immobilie erzielten Erlös fort, d. h. man muss sich über die Verteilung dieses Erlöses – rechnerische Erbanteile hin oder her – noch einig werden, sonst wird nicht verteilt. Weiterer Ärger ist also vorprogrammiert, wenngleich häufig der Reiz des nun in greifbare Nähe gerückten Geldes die Einigungsbereitschaft sehr fördert. Natürlich darf nicht übersehen werden, dass durch die Teilungsversteigerung auch ein anderer Alleineigentümer der Immobilie werden kann, denn das Objekt wird öffentlich versteigert. Jeder, der die nötigen Mittel aufbringen kann, kann bieten und den Zuschlag erhalten. Wer also eigentlich die Absicht hat, durch die Teilungsversteigerung Alleineigentümer zu werden, sollte sich dieses Risikos bewusst sein.

ET: Welche Auswege aus einer Erbengemeinschaft gibt es noch und wo liegen hier die Vor- und Nachteile?

BK: Ein weiterer Ausweg aus einer solchen Erbengemeinschaft könnte der Verkauf des eigenen Erbanteils sein. Der Vorteil hierbei: man bekommt schnell Geld und ist die großen Probleme dieser Erbengemeinschaft mit einem Schlag los. Der Nachteil: der Erbteilskäufer wird vermutlich die seinerseits nun zu erwartenden Probleme mit bzw. in der Erbengemeinschaft beim Kauf einpreisen. Der Kaufpreis könnte so unter dem eigentlichen Anteilswert liegen. Die schnelle Befreiung „von den Problemen dieser Gemeinschaft an einer Immobilie“ hat eben ihren Preis.

ET: Warum nutzen Erben die Möglichkeit, ihren Anteil am Erbe an einen Dritten zu verkaufen, bislang eher selten?

BK: Die Möglichkeit des Verkaufs eines Erbteils dürfte meines Erachtens nach noch recht unbekannt sein, daher wird dies wohl auch noch selten genutzt: Je mehr auf solche Möglichkeiten wie gerade über ErbTeilung.de aufmerksam gemacht wird, umso eher dürfte die Zahl solcher Fälle zunehmen.

ET: Ist ein Verkauf des Erbanteiles im Vergleich zur Teilungsversteigerung schneller zu realisieren?

BK: Unzweifelhaft dürfte ein Verkauf des Erbanteils schneller von statten gehen als eine Teilungsversteigerung. Gleichwohl man sich dies eventuell mit einem finanziell nicht ganz so optimalen Ergebnis erkauft. Auch sollte aber bedacht werden, dass die Fälle häufiger werden, in denen die Teilungsversteigerung nicht bis zum Ende durchgeführt werden muss, stattdessen während des laufenden Verfahrens eine außergerichtliche Einigung erzielbar ist. Man sollte abwägen, was einem mehr wert ist: schneller an Geld kommen und damit eventuell riskieren, seinen Anteil unter Marktwert zu verkaufen, oder den längeren Weg der Teilungsversteigerung auf sich nehmen, mit der Chance so einen höheren Erlös zu erzielen.

ET: Was halten Sie von der Option, den Verkauf eines Erbanteils über das Portal ErbTeilung.de zu realisieren und in welchen Fällen würden Sie dieses Portal Ihren Mandanten empfehlen?

BK: Belastet einen das Problemgemisch der Erbengemeinschaft und die häufig vorhandene aufgeladene Konfliktsituation psychisch erheblich und ist man bereit im Gegenzug etwaige finanzielle Einbußen hinzunehmen, würde ich zum schnellen Verkauf des Erbanteils raten. Da käme die Möglichkeit zum Verkauf über ErbTeilung.de gerade recht. So kann der Ausstieg aus einer solchen Gemeinschaft doch vereinfacht und auch beschleunigt werden.

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